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Cesar Millan - eure Meinung ist gefragt
#21
Ich habe gerade nochmals alle Beiträge sorgfältig von Anfang bis Ende gelesen.
Ich bin tief beindruckt, wie differenziert ihr das Thema behandelt. C. M. spaltet und trotzdem lässt jeder die Meinung des anderen gelten. Dafür möchte ich euch danken, denn das ist nicht selbstverständlich, wie man aus anderen Foren weiß.  Heart Heart Heart

Liebe Antje,
den Film "C.M. wird gebissen" habe ich mir angesehen. Was mich gleich gestört hat, war die dramatische Musik. Warum etwas, das man "neutral" nach richtig/falsch beurteilen soll, schon durch die Musik so aufpeitschen, dass die Beurteilung schwieriger wird? Aber glücklicherweise kann man den Ton abstellen, was echt hilfreich ist.

Ich kann auch besten Willen keine Urteil fällen - dazu habe ich viel zu wenig "Hundeverstand". Big Grin Big Grin
Wenn ich es richtig sehe, ging es bei diesem Hund um einen "gefährlichen" Hund, der schon Menschen gebissen hatte (leider habe ich nicht verstanden, was sie während des Filmes gesprochen haben)? Und C.M. wollte nun diesem Hund zeigen, dass ER der Rudelführer sei - und somit auch, dass ER über die Futterverteilung bestimmt. Wenn nun so ein Hund beißt, weil er mit dieser Regelung nicht einverstanden ist, da habe ich keinen Plan, was zu tun ist. Da muss dann jemand zu Rate gezogen werden, der wirklich etwas von Problemhunden versteht. Und das bin mit Sicherheit nicht ich. Smile

Ich glaube ich beschränke mich darauf, was Katja geschrieben hat:

In der regulären Hundeerziehung begleitet er völlig ohne Gewalt und erzieht mit viel Liebe und Konsequenz. Er versucht den Menschen beizubringen, den Hund zu verstehen und Signale richtig zu deuten. Klappt dies, entsteht aus Hund und Mensch ein tolles Team.

In diesem Sinner werde ich C.M. für mich weiterhin nutzen, denn da habe ich wirklich viel von ihm gelernt. Und was man mit Problemhunden macht, das brauche ich (glücklicherweise) nicht zu lösen.
Smile
GLG Isolde
Antworten
#22
Liebe Isolde,

ein Urteil hatte ich auch nicht erwartet, höchstens einen Vergleich zwischen Buch und Video.
In dem Zusammenhang ist vielleicht der Film mit dem Pitbull interessant, der gewürgt wird wegen einem
"Problem", dass sich im normalem Umgang mit einem Hunde sehr unkompliziert lösen, bzw. trainieren lässt.

Falls du es dir noch antun möchtest:

https://www.youtube.com/watch?v=KSSHMff4y6Q
https://www.youtube.com

Leider begleitet er da nicht völlig ohne Gewalt in der normalen Hundeerziehnung, kann man da deutlich sehen.
Ich kannte den Film noch nicht und hab mich doch sehr gewundert, dass der sowas zeigt und macht.
Weil das ist nichts anderes als reguläre Hundeerziehung.

Finde es sehr schade, dass dazu keine weiteren Kommentare gekommen sind.
Mit nur einseitiger Berichterstattung kann ich das nicht abtun weil die sehe ich da nicht.


Vielleicht bin ich auch zu sehr sensibilisiert weil ich mich in den letzten 30 Jahre hauptsächlich mit der Korrektur
von Verhaltensstörungen bei Hunden beschäftigt habe und einige hier hatte, die durch Folgen von Gewalt durch
den Menschen schwer traumatisiert waren.
Besonders Chow Chows, weil die vergessen nichts.
Andere Rassen sind da vielleicht einfacher zu handhaben und stecken die ein oder andere Gewaltaktion weg.
Aber auch nicht alle.

Was natürlich allgemein ein Problem ist bei so einer Diskussion sind die unterschiedlichen Voraussetzungen, die wir hier haben.
Ich denke, deshalb kann man über den Mann auch gar nicht wirklich diskutieren weil jeder seine individuellen Vorstellungen von
Gewalt, Liebe und Konsequenz hat.
Meine Vorstellung von Gewalt war früher auch ganz anders in der Hundeerziehung.
Da wäre ich z.B. ohne mit der Wimper zu zucken mit Strom an einen Hund gegangen oder hätte vielleicht nichts dabei
empfunden, wenn ein Hund grundlos gewürgt wird.
Wir hatten früher Bekannte, die haben die Hunde in Stachel reinlaufen lassen, wenn sie an der Leine gezogen haben.
Das war normal.

Dass das alles gar nicht nötig ist, auf die Idee bin ich erst etwas später gekommen.


LG
Antje
Antworten
#23
Hallo in die Runde,

ich hab sehr interessiert das Thema hier verfolgt, ein sehr sachlicher und respektvoller Austausch Smile Deshalb würde ich gern auch meine Sichtweise mitteilen.

Mir geht es wie Antje, ich beschäftige mich seit mehreren Jahren mit traumatisierten und deprivierten Hunden und habe dadurch einen speziellen Blickwinkel. Durch die Arbeit habe ich mich sehr viel mit Emotionen beim Hund beschäftigt, mit Motivation für Verhalten und auch sehr viel mit der Mensch-Hund-Beziehung. Wenn man überwiegend Hunde hat, die sich aus unserer Welt zurückziehen, weder durch Leckerchen noch durch Zuneigung zu beeindrucken sind und sich schon bei minimalstem Druck wahlweise zurückziehen oder nach vorn gehen, muss man lernen, andere Wege zu gehen und lernt dadurch sehr viel über die Natur der Hunde.

Vor diesem Hintergrund tut es dann richtig weh, wenn man sieht, wie Hunde, die im Grunde ihrer Seele nach Schutz suchen und Menschen nicht als vertrauenswürdigen Partner kennengelernt haben, zuerst bewusst in die Eskalation geführt werden, um dann die Eskalation massiv zu unterbrechen. Es ist vollkommen richtig, wenn eine Situation aus dem Ruder läuft, muss ich sie unterbrechen und das ist manchmal nicht schön. Aber das sind Ausnahmen und mit Sicherheit keine absichtlich herbeigeführten Situationen. Warum darf der Hund nicht lernen, dass er seinem Menschen vertrauen kann, weil dieser ihn gar nicht erst in solche Situationen bringt und ihm auf einem Emotionslevel, wo der Hund noch nicht ausrastet, zeigt, dass es auch andere Lösungen gibt. Das ist nur leider nichts fürs Fernsehen, weil es in aller Regel ziemlich unspektakulär abläuft.

Was mir sowohl bei CM als auch bei einigen Trainern hier in Deutschland aufgefallen ist, ist ein großer Widerspruch zwischen Theorie und Praxis. Das gilt übrigens für alle Lager. Wenn man die Bücher liest oder die Leute erzählen hört, denkt man, wow, genau so möchte ich mit meinen Hunden sein. In der Praxis, und ich habe viele Workshops besucht, sieht man dann all zu oft, wie dem Hund Schema F übergestülpt wird und der Hund muss sich irgendwie damit arrangieren. Die Seele des Hundes bleibt allzu oft auf der Strecke. Wenn es dann trotz aller Bemühungen nicht funktioniert, ist wahlweise der Hund nicht therapierbar oder der Halter nicht in der Lage, die Übung richtig umzusetzen. Das, worauf es eigentlich angekommen wäre und was in den Büchern und Interviews wortreich propagiert wird, nämlich Beziehung, Vertrauen, Sicherheit, davon habe ich auf den Workshops nur selten etwas gesehen.

Der Effekt ist dann übrigens sehr oft, dass das auf dem Workshop oder im Training Erlernte eine Zeitlang funktioniert und dann fällt der Hund wieder in alte Muster zurück. Das sieht man im Fernsehen dann natürlich nicht mehr. Und so wollen die Halter leider dann auch schnelle Lösungen. Der Hund soll sich anpassen und in den Alltag integrieren. Der Typ im Fernsehen hat es doch vorgemacht. Für mich funktioniert Beziehung aber nur in beide Richtungen, es ist ein Geben und Nehmen. Ich muss die Ursache für das Verhalten beseitigen, dann verschwinden auch die Symptome. Dafür muss ich aber manchmal erstmal an mir selbst arbeiten.

Ich wünsche Euch allen eine schöne Zeit mit Euren Hunden.
Liebe Grüße und einen schönen Sonntag
Michaela
Herzliche Grüße
Michaela
Antworten
#24
Liebe Michaela,
Du sprichst / schreibst mir aus der Seele...dieser Widerspruch und Praxis. Das ist wie Wasser predigen und Wein trinken!
Wir haben u.a. einen sehr schwierigen Mastiff (89kg) , der auch heftig aggressive Züge hatte. Jetzt ist er knapp 2 Jahre alt (die ersten 15 Wochen seines Lebens bevor er bei uns einzog, waren nicht so prickelnd), aber wir sind auf dem richtigen Weg ohne Stachelhalsband, Strom und was es sonst so gibt. Er wurde / wird auch nicht gewürgt oder angeschrien oder geschlagen.
Daher weiss ich, dass es auch anders funktionieren kann als man das leider in den Filmen von CM sieht. Ich wehre mich dagegen Gewalt (in dem Fall Aggression) mit Gewalt zu beantworten. Viel wichtiger ist doch, dass ich mir das Vertrauen meines Hundes erarbeite, ihn kennenlerne und dann z.B. es gar nicht zu kritischen oder gar gefährlichen Situationen kommen lasse bzw. weiss, wie ich ihn aus einer solchen Situation herausbekomme oder am besten er gar nicht in eine solche Situation kommt.
Ressourcenverteidigung, wie in dem Video, das Antje anführte, war auch bei uns ein äusserst kritisches Thema....auch das Problem lässt sich anders, nämlich wirklich gewaltfrei lösen, auch in der Gewichtsklasse eines Mastiffs!
Wir sind froh, ohne Gewalteinwirkung bei der Erziehung jetzt einen tollen Hund an unserer Seite zu haben!
Viele Grüße
Tina
Antworten
#25
Liebe Isolde,

ich bin der Meinung der "zwei Steffis" und auch einiger nachfolgender Kommentare. Ich denke, niemand muss mit ALLEM einverstanden sein, was ein andere Mensch tut.
Wenn man sich nicht nur die heiß diskutierten, sondern alle Filme von Milan ansieht, dann kann man sehen, dass es in erster Linie um Präsenz und das Übernehmen einer Führungsrolle geht, etwas das es im Leben vieler Hunde leider nicht gibt. Mit dem Stress, unter dem einige dieser Hunde dann zu leiden haben, beschäftigen wir uns dann in der Praxis.

Natürlich gibt es Filme von ihm, die ich so als "Lehrfilme" auch nicht sehen wollen würde, aber auch hier gilt: Es ist immer nur der Ausschnitt zu sehen, der ein bestmmtes Meinungsbild befördern soll. Wenn man sich mehr ansieht, kann man sehen, dass Milan sich auf Hunde eingelassen und sie resozialisiert hat, die andere nie im Leben angefasst hätten. Und da waren Hunde dabei, die eine wirkliche Gefahr für Menschen dargestellt haben. Hunde, die keine Überlebenschance gehabt hätten, weil man sie aufgrund ihrer Gefährlichkeit zu Recht eingeschläfert hätte.

Er hat Mut und vielleicht hat er tatsächlich auch den Mut, Berichte ausstrahlen zu lassen, die polarisieren. Es wäre ein Leichtes für ihn, alle Filme so zu halten, dass er nicht in den Verdacht kommt, brutal zu sein. Aber diese Filme zeigen auch eines: Da gab es vorher jemanden, der vieles falsch gemacht oder sich über die Rasse, die er sich zugelegt hat, nicht im geringsten klar war. Menschen, die unüberlegt gehandelt haben und nun die Konsequenzen nicht tragen können.

Und leider ist es so, dass der Trend momentan zum "Partner Hund" geht, der im Bett schlafen darf, wenn er will und wenn er mehr Platz braucht, schläft man selbst halt auf dem Boden. Erziehung muss nicht mit harten körperlichen Strafen zu tun haben, aber sie muss konsequent und v.a. zielführend sein. Und wenn mein Welpe eines meiner Kinder beisst, dann wird er korrigiert, wie es seine Mutter auch mit ihm tun würde. Aber auch das ist vielen Menschen schon viel zu brutal, weil er ist ja noch so klein, und er weiss es ja nicht besser, und er meint es nicht bös'...und, und, und...
Und wenn das Welpilein dann 35 kg wiegt und immer noch Kinder beisst, dann braucht man dann vielleicht einen Cesar Milan oder jemand anderen, der einem zeigt, wo es in der Beziehung zum Hund nicht stimmt.

Aber es ist schon so, wie Du geschrieben hast, die Menschen machen sich heute zum Glück mehr Gedanken um Hundeerziehung. Aber in der Konsequenz kann man an jedem System etwas Schlechtes finden. Die Medien erlauben es uns heute, das dann auch richtig breit zu walzen und die ursprüngliche Idee und die 99% guter Arbeit so in den Hintergund treten zu lassen, als seien sie nicht da.

Liebe Grüße, Nicole
Antworten


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