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Knifflige Fragen in der mündlichen Überprüfung
#1
Question 
Liebe HPP'ler und solche, die zur Prüfung gehen möchten Heart

aus aktuellem Anlass stelle ich hier mal eine Frage aus Freiburg ein. Vielleicht habt ihr Lust, euch an der Beantwortung zu beteiligen. Ich fand die Frage überraschend.... und als Vorwarnung gut, um sich im Vorfeld über das Thema mal Gedanken zu machen Smile

Abwehrmechanismen sind übrigens dieses Jahr irgendwie besonders "in" scheint mir.

Frage:

"Welche Abwehrmechanismen bei einer Abhängigkeitserkrankung sind möglich?"


Wie hättet Ihr geantwortet?

viele Grüße!
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#2
[quote pid='297840' dateline='1499345841']


"Welche Abwehrmechanismen bei einer Abhängigkeitserkrankung sind möglich?"



[/quote]

In der Tat knifflig. Ich versuch mal laut zu denken. Was passiert, wenn sich die Patienten durch psychotrope Substanzen "wegschießen"? Sie vergessen ihre gegenwärtige Situation und/oder ihre Problem - sie verdrängen und verleugnen! Da bin ich mir jetzt allerdings nicht sicher, ob ich zu simpel denke. Gelernt haben wir, dass Suchterkrankungen als Folge frühkindlicher Konflikte in der oralen Phase (1. Lebensjahr) entstehen. Also in der Phase in der Kinder die ersten oralen Erfahrungen mit dem Mund machen (Daumenlutschen, Trinken, Essen, Gegenstände in den Mund nehmen). In der Phase beginnt das Kind die ersten Beziehungen zur Umwelt aufzubauen und Urvertrauen zu entwickeln. Kommt es in dieser Entwicklungsphase zu Störungen so führt dies zu niedriger Frustrationstoleranz, Antriebsminderung, Niedergeschlagenheit und vermindertes Selbstvertrauen und Vertrauen in andere. Der Abwehrmechanismus der hierdurch entsteht entspricht der projektiven Identifikation. Durch diesen Abwehrmechanismus ist es dem Patienten möglich eigene innere Konflikte und unangenehme Gefühle anderen solange zu unterstellen, bis der andere dies für sich als Wahrheit annimmt. Nun kann der Patient seine Gefühle beim anderen sehen und durch den anderen leben. Dieser Abwehrmechanismus ist verantwortlich u.a. für die Entstehung von Suchterkrankungen.
Beim drüber nachdenken stell ich mir gerade die Frage, ob so auch der für Alkoholerkrankungen oft typische Eifersuchtswahn erklärbar ist? Der Patient unterstellt seinem Partner Untreue, auch wenn er keinen objektiven Anhaltspunkt dafür hat. Ich kann mir Vorstellen, dass der Partner des Patienten hierdurch schon auch verunsichert wird und sein Verhalten verändert bzw. sich nicht mehr unbefangen verhält - sich so verhält, als wäre er untreu. Ist das auch projektive Identifikation? Ach jetzt bin ich verwirrt Confused  und freue mich auf Rückmeldungen Sleepy .
Liebe Grüße
Tanja

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#3
Liebe Tanja,

Super, dass du mitmachst !!!! Danke Smile

Du hast nun schon mal einen wichtigen Abwehrmechanismus erwähnt, der u.a. zur Entstehung beitragen kann. Eifersuchtswahn fällt in mehrere Kategorien, vor allem die Projektion. Das ist ein bisschen komplexer...

Aber fällt dir und natürlich auch anderen interessierten Mitlernenden noch was ein, was für die Zeit "während" gelten könnte. Etwas, das für die Therapie wichtig sein könnte?

Viel Spaß beim Gehirnjogging Smile

Regina

P.s. Eigentlich hast du die Zauberworte auch schon erwähnt ...
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#4
Sehr gerne, freue mich über das Angebot und sag dir lieben Dank. Hm...ich hirne morgen mal weiter, vielleicht hat jemand anders noch ne Idee ?. Wünsche dir jetzt erst mal einen schönen Abend, liebe Regina
Liebe Grüße
Tanja

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#5
Liebe Regina,

nun habe ich beim Hundespaziergang nochmals intensiv darüber nachgedacht mit dem Ergebnis, dass sich mir die Verdrängung, Verleugnung (nach wie vor) und die Regression aufdrängen.
Verdrängung und Verleugnung, weil die Patienten ja sich selbst als stark und unerschütterlich wahr nehmen und sich ihre Erkrankung nicht eingestehen und diese auch ihrem Umfeld oder den Ärzten gegenüber verleugnen. Durch die psychotrope Wirkung ist es ihnen möglich sich vor ihren Konflikten und problembehafteten Themen zu schützen, und sich aus der Realität raus zu nehmen, d.h. sie können ihre Probleme zunächst verdrängen.
Ja und die Regression, da habe ich irgendwie das Bild im Kopf, dass durch die psychotropen Substanzen u.a. Spannungen gelöst werden, wie es das kleine Kind in der oralen Phase durch die Nahrungsaufnahme, das Trinken, das an der Brust gestillt werden und eben allem, was in den Mund gesteckt wird, wieder erlebt. Und des weiteren durch die Veränderung des Denkens, des Bewusstseins und der Wahrnehmung durch die Einnahme der psychotropen Substanzen, die Verantwortung für die aktuelle Lebenssituation abgegeben wird, regressiver Umgang mit Eigenverantwortung.

So nun widme ich wieder dem Erarbeiten des Psychopathologischen Befundes...bin froh, wenn ich das endlich geschafft habe.

Nun wünsch ich dir einen schönen Samstag und nochmal vielen Dank für dieses Angebot. Ich merke, dass mir diese praktische Umsetzung und Erarbeitung sehr viel Spaß macht und auch hilfreich ist beim Lernen - auch wenn ich evtl. komplett falsch liege. Ich glaube das entspricht am ehesten meinem Lerntyp. Werde mich bald auf deinen DD-Prüfungsvorbereitungskurs anmelden :-).

Ganz liebe Grüße
Tanja
Liebe Grüße
Tanja

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#6
Liebe Regina,

das ist wirklich eine recht typische Frage für die Mündliche in Freiburg - ohne Kenntnisse zu den Abwehrmechansimen steht man da schnell mal mit dem Rücken an der Wand!

Gerne möchte ich den eingangs von Tanja bereits angesprochenen Abwehrmechanismus noch deutlicher herausgreifen: im Rahmen von Abhängigkeitserkrankungen spielt die Verleugnung oft eine große Rolle. Sie bietet vordergründig einen Schutz vor der unangenehmen Wirklichkeit, deren Wahrnehmung der Betroffene verweigert und verdrängt, indem er - so wie Tanja das so treffend formuliert hat - sich mit psychotropen Substanzen "wegschießt".

Ein weiterer Abwehrmechanismus in dem Zusammenhang ist die Verschiebung bzw. Substitution. Hier "entladen" sich aufgestaute unangenehme, oft auch feindselige Gefühle auf Objekte oder Personen, die zunächst als weniger "gefährlich" erachtet werden als diejenigen, die die unangenehmen Emotionen ursprünglich erregt haben. Statt also zum Beispiel dem "starken Gegenüber" Paroli zu bieten und sich mit diesem auseinanderzusetzen, wird die Aggression gegen jemand oder etwas anderes gerichtet, ggf. in Form der Autoaggression gegen sich selbst, indem die unerwünschten Gefühle in der Droge regelrecht "ertränkt" werden.

Vielleicht mag noch jemand weiter ergänzen - mir würde zumindest noch ein weiterer Abwehrmechanismus einfallen ...

Und natürlich bin ich gespannt, zu erfahren, wie der oder die PrüfungskandidatIn die Situation gelöst hat!

P.S. Sorry, deine zweite Nachricht, liebe Tanja, hatte ich gar nicht gesehen - da wir beide fast gleichzeitig abgeschickt hatten. Als weiteren Punkt hatte ich tatsächlich auch die Regression im Blick.
Liebe Grüße
Annette

"Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen" (aus China)
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#7
Hallöle Smile

oh ja ich hatte einen schönen Samstag.. ich besuchte ein sehr interessantes Seminar und durfte wieder mal viel mitnehmen!

Wie die Situation in Freiburg gelöst wurde kann ich hier nicht sagen, das bleibt offen. Aber das macht ja gar nichts, denn wir tragen ja nur alle mal so zusammen, was wir geantwortet hätten in der Situation.

Danke für Eure Beiträge, beiden kann ich sehr gut folgen.

Ich persönlich hatte bei der Erzählung als erstes auch sofort an "Verdrängung" und an "Verleugnung" gedacht. Was nicht sein darf, kann einfach nicht sein.... die Verdrängung /Verleugnung der Tatsache, dass man ein Substanz-Problem hat! Es wird entweder komplett verdrängt, oder der wahre Konsumumfang verleugnet und verharmlost. Ein blinder Fleck in der eigenen Biografie. Deshalb ist es ja auch so schwer in der Therapie, einen erhöhten Substanzgebrauch zu bemerken. "Oh nein, ich trinke nicht mehr als andere auch... hält sich alles im Rahmen....ich bräuchte auch gar nichts zu trinken, wenn ich das wollte..."

und wenn dann kommt: "aber der Nachbar... ja, bei dem sollte man mal genauer hinsehen... Der hat alle paar Tage einen leeren Bierkasten vor der Tür stehen" ... das ließe mich dann eventuell an "Projektion" denken. Eigene, untragbare Verhaltensweisen werden auf andere projiziert und können dort dann verbalisiert und auch verurteilt werden.

Wink

Mir ist noch was eingefallen, aber auch ich warte mal, ob noch jemand anderer sich beteiligen möchte.

liebe Grüße

Regina

p.s. Hey Rosie, das wär schön, dich im DD zu sehen Heart
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#8
Guten Morgen,

dann werfe ich selbst nochmal einen weiteren Abwehrmechanismus zur Gedankenanregung ein...

"Rationalisierung" könnte vorliegen, wenn der Betroffene äußert, dass er die entsprechende Substanz lediglich "zur Entspannung einsetzt, weil der Arbeitstag so stressig war", oder dass er gelesen habe, dass "viel Bier gut für die Nieren sei, und das ist ja eine meiner Schwachstellen".

Einen hätte ich noch.... Wink

viele Grüße,

Regina
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#9
Hallo Regina, 
jetzt werfe ich Mal noch Verhamlosung in die Runde...nach dem Motto "so viel trinke ich doch gar nicht....ich trinke keine harten Sachen, nur Wein und Bier"...
Bin gespannt, wie deine Meinung ist und ob du einen anderen Abwehrmechanismus im Kopf hattest.

Einen guten Start in die Woche und
Liebe Grüße
Tanja

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#10
Hallo Tanja,

oh ja, die Verharmlosung hat hier auch noch hingehört. Super, dass du gleich ein Beispiel zugefügt hast. Erstens prägt es sich so besser ein und außerdem wird man gerne in der mündlichen Überprüfung nach Beispielen gefragt. Da können sich die Prüfer gleich ein Bild davon machen, wie "verinnerlicht" der Stoff sitzt.

Ich hatte tatsächlich noch einen weiteren im Kopf: die Reaktionsbildung. Also jemand könnte seine eigene Substanzabhängigkeit damit "tarnen", dass er ganz vehement an anderer Stelle gegnerisch auftritt. Als ganz eifriger Gegner von Alkoholausschank bei öffentlichen Festen vor 21:00 Uhr zum Beispiel. (mir fiel jetzt grad kein besseres Beispiel ein Wink aber zum Verdeutlichen reicht es wohl).

Es geht ja hauptsächlich darum, dass man bei der Überprüfung glaubhaft machen kann, solche Fallstricke erkennen zu können und damit auch in der Folge dann die richtige Behandlung wählen würde.

Danke fürs Mitmachen.... Smile

Demnächst stelle ich eine neue Frage ein. Ich hab schon was im Kopf

herzliche Grüße

Regina
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#11
Hallo an alle, die gerne mitmachen möchten...

Aus der Reihe "Hättest du es gewusst" eine neue knifflige Frage aus einer (Freiburger) mündlichen Überprüfung.

"Wir würden Sie Ich-Störungen erfragen?"

Viele Grüße,

Regina
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#12
Coucou an euch alle, will denn keiner mitmachen? Mir brennt es unter den Nägeln.... vielleicht sollte der thread eher im Bereich der HPP s geführt werden und meine Mitschüler haben deine Anregungen noch gar nicht entdeckt, liebe Regina...
Ich warte noch zu vielleicht meldet sich ja noch jemand.
Liebe Grüße
Tanja

Antworten
#13
Liebe Tanja,

Wenn du gerne auflösen möchtest, dann mach das doch einfach Smile

Ich glaube fast, die Reaktion wäre auch im HPP Thread nicht größer.... es ist insgesamt sehr still geworden bei den Kollegen. Aber wenn du Spaß hast an den Fragen, dann stelle ich weitere. Wink

Viele Grüße blume

Regina
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#14
[quote pid='300328' dateline='1502658441']
Liebe Regina,

Du hast leider recht, bei den HPP(A)s ist es im Vergleich zu den anderen Gruppen sehr ruhig...aber dann führen wir beide halt zunächst einen Dialog und vielleicht gesellen sich dabei dann noch weitere dazu...

Nun: bei den Ich-Störungen unterscheidet man die psychotischen Symptome, die von Außen gemachten - zu denen zählen: Gedankenlautwerden/-ausbreitung, Gedankenentzug und Gedankeneingebung sowie die Fremderlebnisse in Form von Depersonalisation und Derealisation.
Ich würde folgendes fragen:
Haben Sie den Eindruck, dass sich Ihre Grenzen im Verhältnis zu ihrer Außenwelt verändert haben, irgendwie durchlässiger geworden sind? Fühlen Sie sich in ihrem Körper fremd oder vielleicht auch in ihrer Umwelt, obwohl Ihnen diese vertraut und bekannt ist? Haben Sie den Eindruck, dass sich Ihre Gedanken verändern? Dass Ihre Gedanken von anderen Menschen gehört oder gelesen werden können? Oder dass Ihnen die Gedanken weggenommen oder eingegeben werden?

Bin mir nicht sicher, ob ich alles fragen muss?






[/quote]
Liebe Grüße
Tanja

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#15
Liebe Tanja,

das hast du sehr gut gelöst Smile

Das Typische der psychotischen Ich-Störung ist tatsächlich der Eindruck des Betroffenen, andere Menschen hätten Zugriff / Zugang/ Macht/ Kontrolle/ Einfluss auf seine Gedanken. Das sind sehr wichtige Indizien, da bereits ein überzeugendes  Symptom davon die Diagnose der Schizophrenie rechtfertigen würde.  (1 Symptom aus Gruppe 1)

Die Idee der GA, das Wissen des HPP Anwärters in Form von Anamnesefragen zu erkunden, finde ich schlau Wink  Man hat schnell mal was auswendig gelernt, aber damit noch nicht bewiesen, dass man auch in der Lage wäre, es in der Praxis tatsächlich gezielt (taktvoll) zu erfragen.

Danke für deine Lösung Tanja Heart  (und ja, in der Prüfung würde man sicherlich alle Fragen formulieren, die einem einfallen).

viele Grüße,

Regina
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